Das Spiel ist aus

DT Berlin

Das Publikum sitzt in völliger Dunkelheit auf der Drehbühne, während die Handlung nach unserem  einführenden Film, im eigentlichen Zuschauerraum beginnt. Jette Steckel inszenierte das Stück am DT Berlin wie einen Film und stellte dabei konsequent alle Perspektiven der Figuren auf den Kopf.

Ausgangssituation

Sartres Geschichte über den Tod wirft immer noch Fragen über das Leben auf. In einer Gesellschaft, in der Revolutionen auf neue Diktatoren folgen und umgekehrt, wird Genuss missbilligt – wo liegt der Unterschied zwischen uns Lebenden und Sartres Toten?

Umsetzung

Das Publikum auf der Drehbühne, während die Handlung nach unserem einführenden Film, im eigentlichen Zuschauerraum beginnt. Dieser radikale Perspektivwechsel markiert nicht nur die Grenzen zwischen Bühne und Saal, sondern auch die Trennung zwischen Leben und Tod. Der ständige Wechsel zwischen Film und Theater, zwischen Nähe und Distanz, erzeugt eine vielschichtige Erzählweise, in der Realität und Zwischenwelt ineinander übergehen. The Notwist komponierten den phänomenalen Soundtrack.

Film: Bahnhof

Der Abend beginnt mit unserem zehnminütigen Film auf der großen Leinwand. Eine scheinbar endlose Fahrt durch einen U-Bahnhof wird immer wieder durch kurze Sequenzen unterbrochen, die erste Bruchstücke der Handlung offenbaren. Sie erzählen die letzten Stunden von Eve (Judith Hofmann) und Pierre (Ole Lagerpusch). Eine Vorgeschichte in Fragmenten. Der Film verweilt in der gedehnten Sekunde zwischen Leben und Tod, einem stummen Schwebezustand. Dann: ein Schuss, ein fallendes Wasserglas und die Drehbühne beginnt sich zu bewegen.

Vom Greenscreen zur Leinwand

Da die Fahrt durch den U-Bahnhof, bedingt durch den Drehort, die große Zahl an Statisten und den gewünschten Zeitlupeneffekt, nicht  als reale Aufnahme realisiertwerden konnte, entwickelten wir diesen Teil des Films vollständig im virtuellen 3D-Raum.

Die Szene entstand als visuelle Collage aus Standbildern und extrem verlangsamten Bewegungsaufnahmen. Dafür fotografierte ich rund 150 Statisten im improvisierten Greenscreen-Studio.

Um die statische Wirkung der Einzelbilder aufzulockern, sollten sich einzelne Figuren minimal bewegen. Diesen Effekt erreichten wir durch Videoaufnahmen  in Ultrazeitlupe einiger Darsteller des DT in Bewegung. Anschließend wurde der gesamte Bahnhof als 3D-Modell nachgebaut und die freigestellten Personen digital in die Szene integriert.

Die daraus resultierende, langsame Kamerafahrt über den Bahnsteig eröffnet dem Zuschauer eine surreale Perspektive und stilisiert den Bahnhof zu einem Sinnbild gesellschaftlicher Erstarrung und Bewegung zugleich.

Film: Das Erwachen

Nach ihrem Zusammentreffen im Totenreich erhalten Eve (Judith Hofmann) und Pierre (Ole Lagerpusch) eine zweite Chance: die Möglichkeit zur Auferstehung, unter einer Bedingung: Sie müssen einander vorbehaltlos lieben. Der Film beginnt mit ihrem Erwachen nach dem scheinbaren Tod. Im Mittelpunkt steht dabei Eves Ehemann André (Alexander Khuon), der sie vergiftet hat. Nun zeigt er sich wütend, ratlos und zunehmend verstört über den gescheiterten Mordversuch.